Die Technik hinterm Bogenschießen


Bogenbau ist eine alte Kulturtechnik. Schon unsere Vorfahren in der Steinzeit benutzten Pfeile und Bogen aus Holz und Horn und haben sich bestimmt auch über so manche Fehlschüsse aufgrund des Materials geärgert. Am Ärgern hat sich bis heute prinzipiell nichts geändert, obwohl das Material wesentlich besser geworden ist.

Was sagt uns das? Offensichtlich liegt es meist NICHT am Bogen, sondern am Schützen, wenn die Wildsau weiterrennt oder das Gold in Scheibenmitte wieder nicht einmal angekratzt ist.

Bogentypen


Beim Bogenschießen gibt es viele verschiedene Bauarten, Stile und technische Richtungen. So kann jeder eine Bogenart finden, mit der er sich wohlfühlt.

Die Urformen des Bogens sind der bekannte Langbogen. Mit einer fließend geschwungen Form kommt der Reiterbogen daher. Beides sind sogenannte Blankbogen, sie verzichten auf Anbauteile wie Stabilisatoren oder Zielhilfen. Blankbogen gibt es in - ganz klassisch - einteiliger sowie in zerlegbarer Ausführung. Dann sind sie leichter zu transportieren.

Das Material ist größtenteils Holz, Leder und Horn, häufig in aufwendiger Handverarbeitung hergestellt und reich verziert. Kunststoffe wie Plastik oder GfK am Bogen sind dem echten Blankbogenschützen ein Gräuel und daher entsprechend selten.

Die Pfeile werden meist ebenso aufwendig aus Holz gefertigt und mit echten Federn befiedert. Sie sehen zwar toll aus, leider sind sie aber auch wesentlich weniger haltbar als Pfeilschäfte aus Aluminium oder gar aus Carbon.

Der Olympische Recurve-Bogen ist die technische Weiterentwicklung und wird in dieser Form bis heute bei nationalen wie internationalen Wettkämpfen eingesetzt. Hier sind verschiedene mechanische Zusatzteile erlaubt und werden auch meist verwendet. Die Sehne wird mit den Fingern gehalten.

Im Unterschied zum Compound-Bogen hat ein Recurve-Bogen keine Kraftübersetzung und keine Zugentlastung, je weiter die Sehne nach hinten gezogen wird desto höher wird die benötigte Haltekraft. Visiere und Stabilisatoren zur Dämpfung der beim Schuss auftretenden Schwingungen und Momente sind zulässig. Elektronische oder elektrooptische Einrichtungen nicht.

Foto: © Deutscher Schützenbund e.V.

Der Compound-Bogen ist unbestritten die technisch aufwendigste Bogenbauart. Hier muss der Schütze bei ausgezogenem Pfeil nicht die komplette Zugkraft aufbringen und halten. Eine Übersetzung mit exzentrisch gelagerten Rollen im Bogen reduziert die Haltekraft auf teils über 50 Prozent der maximalen Zugkraft bei halb ausgezogenem Pfeil (dem sogenannten Gipfelgewicht).

Die Sehne wird in aller Regel nicht mit den Fingern gehalten, sondern mit einem Release, das mit einem Handgriff versehen ist oder mittels Manschette direkt am Handgelenk befestigt wird. Die darin eingehängte Sehne wird auf Knopfdruck freigegeben. Dadurch entfällt die Seitenreaktion der Sehne beim Lösen. Auch sind beim Compound-Bogen Zielhilfen wie Wasserwaagen oder Vergrößerungslupen im Visier zugelassen.

Foto: © Deutscher Schützenbund e.V.

Wettkampfdisziplinen


Beim Bogenschießen sind unterschiedliche Wettkampfformen gebräuchlich. Hier erklären wir die wichtigsten.

 

FITA

Die bekannteste Disziplin, wobei mit drei oder sechs Pfeilen auf genau vorgegebene Entfernungen bis zu 90 Meter über eine ebene freie Fläche auf aufrecht stehende Zielscheiben geschossen wird. Typische Freiluft-Distanz sind 70 m, typische Hallendistanz sind 18 m. Jeder Schütze wird separat gewertet, wobei zusätzlich auch Mannschaftswertungen möglich sind.

 

LIGA

Ein Ableger der FITA beim Wettbewerb zwischen Vereinen, so richtig mit Tabellen, Ranglisten und Auf-, beziehungsweise Abstiegskämpfen. Hierbei werden in maximal fünf Durchgängen innerhalb von zwei Minuten von drei Mannschaftsschützen jeweils 2 Pfeilen auf 18 m (Halle) oder 50 m (im Freien) geschossen. Die Summe der erreichten Ringe entscheidet über zwei mögliche Satzpunkte. Die Mannschaft, die zuerst sechs Satzpunkte erreicht, hat die Begegnung gewonnen. Jeder Verein tritt innerhalb der Liga gegen jeden anderen an. 

 

Feldbogen

Im Unterschied zur FITA ist die jeweilige Schussbahn beliebig in der Landschaft angeordnet, die Sicht kann durch Hindernisse wie Blätter oder Äste eingeschränkt sein, und die Ziele stehen in unbekannter Entfernung und teils mit Höhendifferenz. Ziele sind kleine schwarz-gelbe Zielscheiben. Aus der Anzahl der benötigten Pfeile bis zum ersten Treffer und der Position dieses Pfeiles ergibt sich dann die Punktezahl, maximal hat man drei Schussversuche pro Ziel.

 

Jagd- oder 3D-Schießen

Ähnlich dem Feldbogen, mit dem Unterschied, dass alternativ zu Zielscheiben Tierfiguren aus Schaumstoff oder Tafeln mit Tierabbildern verwendet werden. Es ist eine Entsprechung zur in Deutschland verbotenen Jagd mit Pfeil und Bogen. Pro Ziel werden maximal drei Pfeile geschossen. Man unterscheidet zwischen Kill- und Körpertreffern, wofür unterschiedliche Punkte vergeben werden.

 

Kyudo

Kyudo heißt das traditionelle japanische Bogenschießen, das auf der alten Kriegstechnik der Samurai gründet und sich unter dem Einfluss des Zen-Buddhismus zu einer Kunstform entwickelte. Sowohl die Bauart des stark asymmetrischen Bogens, als auch die Technik des Schießens unterscheidet sich grundsätzlich von westlichen Formen des Bogenschießens.